Mitglied werden


Melden Sie sich hier online an.

DGB-Kampagne Mindestlohn

milo_09_rot-w

Noch mehr Leistungen für Mitglieder!

Freitag, 13. März 2009
Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. PDFDruckenE-Mail

Deutsche See: Mutter unter Druck gesetzt

WR 12.03.2009, Dirk Berger
Beim Unternehmen Deutsche See auf dem Großmarktgelände schlagen die Wogen hoch. Für Ärger im Betrieb sorgt eine Personalentscheidung zu Lasten der Mutter einer dreijährigen Tochter, die bereits seit 17 Jahren in dem Betrieb arbeitet.
Bislang morgens beschäftigt, sollte sie ab sofort vorwiegend im Nachmittagsbetrieb arbeiten - was sie aus Gründen der Kinderbetreuung aber nicht kann. Nun beschäftigte sich das Arbeitsgericht mit dem Fall - und es befand, die Deutsche See habe die Kollegin wieder zwischen 8.15 und 13.15 Uhr zu beschäftigen. Mitarbeiter der Firma mit etwa 50 Beschäftigten suchten ein Wort für den Vorgang - und fanden es in Mobbing.
Für den Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, Manfred Sträter (die NGG vertritt die Frau vor Gericht), ist klar: „Sie wollen sie loswerden, das ist der einzige Grund, den ich dahinter vermuten kann.” „Warum keine Sozialauswahl?”
Er erinnert sich noch an eine Aussage des Geschäftsführers. „Ja, sollen wir denn die Firma um die Frau herumbauen?”, hätte der Mann gesagt. Wenn schon solch eine Lösung, dann sei die Frage erlaubt, warum das Unternehmen Deutsche See nicht die Sozialauswahl in Anspruch nahm, um zu einer fairen Lösung zu kommen.
Jedenfalls setzte die Firma interessante Arbeitszeiten für die Mitarbeiterin fest. So sollte die Frau, die im telefonischen Verkauf beschäftigt ist, montags von 9 bis 15 Uhr, dienstags von 10 bis 16 Uhr, mittwochs und donnerstags von 12 bis 18 Uhr und freitags von 8.30 bis 14.30 Uhr arbeiten - im Großen und Ganzen also nicht so gut zu organisieren für die Mutter einer dreijährigen Tochter.
Die Frau hatte noch versucht, einen auf die Bedürfnisse der Familie zugeschnittenen Kindertagesstättenplatz zu finden - was ihr allerdings nicht gelang. Was verwundert, ist, dass eine Kollegin sich angeboten hatte, die Schicht zu übernehmen, damit die Frau weiterhin vormittags ohne größere familiäre Verwerfungen ihrer Arbeit nachgehen könne. Wurde aber abgelehnt. Ihre Arbeit verlieren wollte sie nicht - also beschritt sie den Klageweg. Bis gestern Nachmittag lag von dem Unternehmen mit Sitz in Bremerhaven sowie 1700 Mitarbeitern keine Stellungnahme vor.