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Freitag, 04. Februar 2011
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Kündigungssperre bei van Netten!

WR: Bonbonfabrik van Netten will in Dortmund 45 Mitarbeitern kündigen
Dortmund, 03.02.2011, Anja Schröder


Die Belegschaft der Schokoladenfabrik van Netten hat einen Hals. Da helfen auch die Hustinetten aus der eigenen Produktion nicht. Vier Jahre lang haben die zuletzt 240 Mitarbeiter mehr gearbeitet für weniger Geld. Das „Bonbon“ auf diese Sanierungsphase: 45 von ihnen sollen gehen.
Rein rechtlich vorab: Diese Kündigungen sind so nicht zulässig. Es handele sich hier, so Richter Thomas Wolkenhauer gestern vor dem Dortmunder Arbeitsgericht, um eine beabsichtigte Betriebsänderung durch Massenentlassung. Das sei erst dann möglich, wenn Verhandlungen zu einem Interessensausgleich gescheitert seien.
Sorgen um den Fortbestand der Firma
Geschäftsführer Michael Stepien schmeckten diese Aussichten bitter: „Wir können es uns definitiv nicht leisten, diese 45 Mitarbeiter weiter zu beschäftigen. Ich mache mir echt große Sorgen um den Fortbestand dieser Firma“. Diese Sorgen, erkannte auch Gewerkschaftssekretär Manfred Sträter an der Seite von Betriebsrat Walter Scharnofski an, sind nicht unbegründet. Stepien, seit vier Jahren an der Spitze des Unternehmens, stehe umsatzmäßig jetzt schlechter da, als bei seinem Start. Zwischen Planzahlen – die Muttergesellschaft Arques Industries habe nach zwei Jahren Geld verdienen wollen – und Ist-Zustand klaffe ein Loch von 19 Millionen, so Sträter. Auch Stepien bestätigte, dass er die Firma, die 2006 ein Minus von 16 Millionen gemacht habe, nie in die Gewinnzone habe fahren können. Verlustvortrag: 50 Mio. €.
Dabei hatte die Belegschaft alles getan, das Unternehmen zu stützen: In einem über vier Jahre abgeschlossenen Sanierungstarifvertrag hatten sie auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichtet, hatten jede Woche zwei Stunden Arbeitszeit obenauf gepackt. „Spitz gerechnet“, bilanzierte Sträter, „haben die Mitarbeiter auf vier Millionen Euro verzichtet. Solche Mitarbeiter schicken wir nicht einfach weg“.
Chef "hat mal mit Insolvenz" gedroht
Er kritisierte vor allem die Vorgehensweise von Stepien: Noch bis Ende Dezember habe er trotz Umsatzeinbruch volle 40 Stunden arbeiten lassen, „auf Lager“ eben. Zudem habe er sich nie konkret geäußert, habe mal mit Insolvenz gedroht, dann wieder Gespräche geführt. Die Kündigung von sechs Mitarbeitern in der Logistik, 29 in der Produktion und zehn Angestellten sei überraschend gekommen. „Dabei haben wir Ihnen noch am 25. Januar angeboten, sofort in Kurzarbeit zu gehen“. Kurzarbeit, so Sträter, „ist das Instrument, um Kündigungen zu vermeiden und Sie sofort von Personalkosten in dieser Größenordnung zu befreien. Dann haben wir 18 Monate Zeit um zu gucken, ob das funktioniert“.
Eine Einigungsstelle Kurzarbeit mit dem Vorsitzenden Richter des Landesarbeitsgerichtes, Peter Schmidt, ist jetzt der Einigungsstelle Interessensausgleich vorgeschaltet. Bis dahin sind Kündigungen in der vorgesehenen Größenordnung nicht zulässig. Wie lange das dauern könne? – Stepien machte Druck. „Zwei Monate? – Dann wird der Betriebsrat keinen Arbeitsplatz mehr haben“.