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Kurswechsel: Van Netten mit neuem Chef
Für den hätte eigentlich Stepien stehen sollen: Er hatte es allerdings in den letzten vier Jahren nicht geschafft, die Schokofabrik in die Gewinnzone zu fahren. Gleichzeitig galt er, selbst mit 10 % am Unternehmen beteiligt, als Kaufinteressent. Die Belegschaft hatte er verprellt: Vier Jahre lang haben die zuletzt 240 Mitarbeiter im Rahmen eines Sanierungstarifvertrages mehr gearbeitet für weniger Geld. Das „Bonbon“ zum Ende der Sanierungsphase: 45 von ihnen sollten gehen.
„Spitz gerechnet haben die Mitarbeiter auf vier Millionen Euro verzichtet. Und solche Mitarbeiter schickt man nicht weg“, war der Betriebsrat zusammen mit Manfred Sträter (Gewerkschaft NGG) vor dem Arbeitsgericht gegen diese Kündigungen ins Feld gezogen. Jetzt ist zunächst Kurzarbeit schiedsgerichtlich angeordnet.
Kai Dorn bittet um Verständnis: Er sitzt gerade seit ein paar Stunden in Dortmund. Kann und will zu diesem Zeitpunkt Fragen zur Belegschaftsgröße offen lassen. „Ich muss mit Kunden, mit Lieferanten sprechen“, die Firma auf Herz und Nieren prüfen. Klar ist allerdings die Strategie: „Wir wollen van Netten auf Wachstumskurs bringen“. Dazu habe man die Kapazitäten, die technischen Voraussetzungen, engagierte, qualifizierte Mitarbeiter. Und die Produkte: „Sie finden unsere Zuckerwaren im Supermarkt in Australien“. Ein breiterer Ansatz im Vertrieb – ein Zukunftsmodell.
Dorn selbst kommt von Gigaset, ehemals Arques, dem Mehrheitsgesellschafter der Bonbonfabrik. Arques hatte van Netten vor vier Jahren übernommen. Das damalige Geschäftsmodell: kaufen, auf Vordermann bringen, verkaufen. Neuer Name, neuer Inhalt: Gigaset hat sich auf Telekommunikation spezialisiert, inzwischen fast das gesamte Portfolio verkauft. Und wird sich sicherlich auch von dem Dortmunder Betrieb trennen. „Van Netten gehört nicht zur Strategie“, bestätigt Dorn. Bis dahin und darüber hinaus allerdings will er das Unternehmen zukunftsfähig machen – schließlich geht es auch um seinen Arbeitsplatz.






