Mitglied werden


Melden Sie sich hier online an.

DGB-Kampagne Mindestlohn

milo_09_rot-w

Noch mehr Leistungen für Mitglieder!

Mittwoch, 21. Dezember 2011
Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. PDFDruckenE-Mail

Süßwarenhersteller van Netten ist auf Expansionskurs

WR 21.12.2011 | 09:01 Uhr Anja Schröder
Anfang des Jahres stand van Netten vor der Insolvenz. Jetzt stehen die Zeichen auf Wachstum.
Der Schriftzug aus den 1970er Jahren – „Schokoladenfabrik“ – ist rein künstlerisch gesehen fast schon Kult. Und wäre damit ein Objekt für Dr. Isabella Göbel. Dass ihr Mann die Lettern nicht abmontiert? „Liegt nicht daran, dass ich sentimental bin“. Sondern daran, dass bei van Netten künftig wieder drin sein soll, was draußen dran steht. Der neue Geschäftsführer, Friedrich-Wilhelm Göbel, setzt auf Wachstum.

 

Februar 2011: van Netten steht vor der Insolvenz und der damalige Geschäftsführer vor dem Arbeitsgericht. 240 Mitarbeiter haben vier Jahre lang mehr für weniger Geld gearbeitet – jetzt sollen weitere 60 von ihnen gehen. Die Gewerkschaft NGG wendet das Blatt; Kurzarbeit ist der Strohhalm. Er trägt bis zum Verkauf des Unternehmens im Juni.
Dezember 2011: Die Zahl ist eine ähnliche. 60 Mitarbeiter. Sollen neu eingestellt werden. Dazu: Investitionen „in einem hohen einstelligen Millionenbereich“, eine Steigerung des 2011er-Umsatzes von 40,5 Millionen Euro schon im nächsten Jahr auf rund 55 Millionen – Zahlen, die der Belegschaft Mut machen.
Schrumpfkurs war "Humbug"
Der Schrumpfkurs seines Vorgängers? „Betriebswirtschaftlicher Humbug“, sagt Göbel. Und schlägt ein neues Kapitel auf. 2012 zum Beispiel mit sechs Auszubildenden. Der Ausbilder, Industriemeister für Süßwaren und Fachkraft für Süßwarentechnik, Dietmar Freund, auch Leiter der Produktentwicklung, strahlt. – Übrigens um die Wette mit dem Rest des Teams.

Für das ist Göbel eine Art Heilsbringer. Einer mit Humor. „Ja, ja. Ich kann über Wasser gehen. Aber nur, weil ich weiß, wo die Steine liegen...“ Im Klartext heißt das: Er ist Fachmann. Nicht in Sachen Schokolade. Aber: Finanzen und Betriebswirtschaft. An die 20 Firmen habe er mitgegründet, so nebenbei. Sein Unternehmen (Viscardi) hat Elmos an die Börse gebracht, hatte 2004 die Kapitalerhöhung durchgesetzt, die Borussia Dortmund vor der Insolvenz rettete.
Also doch ein Heilsbringer. Jetzt eben nicht Fußball, sondern Bonbons. Dabei hatte er, als Berater der früheren Eigentümer, den Laden eigentlich verkaufen sollen. Und ihn auf dem Papier bewertet? „Ich bewerte nie nur nach Zahlen. Solche Leute machen meistens Pleite“, winkt er ab. Und für einen, der aus Remscheid kommt, jetzt in München lebt und dazwischen überall in der Welt schon zu Hause war, hat Dortmund etwas von Heimat.
Schwierige Sachen machen Göbel Spaß
„Ich bin ein Triebtäter. Schwierige Sachen machen mir Spaß“. Dass der Umkehrschwung bei van Netten kein Spaziergang wird, weiß nicht nur Göbel. Vier kurzfristige Eigentümerwechsel, die Bonbonfabrik dabei meist nur ein „Anhängsel“ an andere Konzerne – „Da schickt man dann nicht die Besten hin“. Sein Eindruck von dem Riesenkasten, der zurzeit nur etwa ein Drittel der möglichen Produktivität ausschöpfe: Modern genug. Und mit Menschen besetzt, die „ehrlich und engagiert sind“.
20 000 Tonnen Süßes produzieren sie zurzeit pro Jahr. 64 000 Tonnen wären möglich. Er mag es anschaulich und nimmt dazu die Gummibärchen-Tüten: „Damit das Westfalenstadion dreimal bis zum Dach gefüllt!“ Sein Ziel: Eine Auslastung von 80 bis 85 Prozent. Investitionen in neue Produktbereiche. Die Schokoladenmasseproduktion zurückholen. Eine eigene Erdnuss-Röstung etablieren. Immer vorausgesetzt, dass er Mittel locker machen kann.
Dass aus van Netten ein neuer Haribo werden könnte? Ist ihm viel zu hoch gegriffen. „Wir beliefern zu 95 % Handelsmarken und das wird sich nicht dramatisch ändern“. Wer eine eigene Marke etablieren wolle, müsse viel Geld und langen Atem haben. Aber: „Über unsere Bio-Linie kann es uns gelingen, van Netten geschickt zu positionieren“. Und durch professionelle Unternehmensführung, der Bonbon-Fabrik wieder ein Gesicht zu geben.
Ziel: 130 Millionen Euro Umsatz in vier Jahren
Vertrieb, Export, Marketing – sind das die Baustellen? Plus Geldbeschaffung, Mitarbeiter-Akquise und und und. „Wir müssen hart arbeiten“, stellt Friedrich-Wilhelm Göbel klar. Und gibt sein Wunschziel für 2016 aus: 130 Millionen Euro Umsatz.
Sein Antrieb? „Irgendwann Geld verdienen.“ Ob er weiterhin einmal die Woche von München gen Dortmund jettet? „Ich bin nur ein Aushilfs-Geschäftsführer“. Soll heißen: Auch diese Position ist vakant und die Schneeverhältnisse auf den Sauerländer Hügeln können für den leidenschaftlichen Skifahrer letztlich doch nicht mit den Alpen konkurrieren...