Betriebe & Branchen
Bäckerei Mohr ohne Chance auf Sanierung
Ruhrnachrichten, 18.1.2012 B.Kiwitt:"Die Bäckerei Mohr mit 35 Mitarbeitern und acht Filialen vor allem im Dortmunder Süden und in Witten hat Insolvenz angemeldet. Die vorläufige Insolvenzverwalterin Dr. Petra Mork sieht im Insolvenzverfahrens keine Chance für eine Sanierung. Der Tatbestand der Insolvenzverschleppung könnte vorliegen.Von Bettina Kiwitt
Eine Insolvenzverschleppung hält die heimische Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) durchaus für möglich. Der Großteil der Beschäftigten habe seit Oktober 2011 nur noch die Abschlagzahlung erhalten, die zum Großteil erst Ende November ausgezahlt worden sei.
Umbenennung in GmbH
„Das war die letzte Lohnzahlung“, sagte NGG-Sekretär Manfred Sträter am Mittwoch. Am 5. bzw. 6. Dezember sei das Unternehmen in Backtool Bäckerei GmbH nun mit Sitz in Witten umbenannt worden. Sträter: „Eine Woche nach der Umbenennung wurde der Insolvenzvertrag gestellt.“
Sträter vermutet, dass Geschäftsführer Thomas Mohr den Familiennamen schützen und nicht mit der Insolvenz in Zusammenhang bringen wollte. Im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten erklärte Thomas Mohr, es sei bei Bäckereibetrieben normal, dass es sechs bis sieben Wochen dauere, bis die Beschäftigten ihr Gehalt bekämen. Von Insolvenzverschleppung könne keine Rede sein.
Bezichtigung der Mietprellerei
Hätte Thomas Mohr nicht selbst Insolvenzantrag gestellt, hätte es wohl der Vermieter des Ladenlokals im Aldi in Witten getan, wo Mohr eine Filiale betrieb. Der Vermieter bezichtigt auf einem Zettel im Schaufenster Mohr der Mietprellerei und weist daraufhin, dass er von seinem Vermieterpfandrecht Gebrauch mache und Mohr und seinen Mitarbeitern den Zutritt zum Ladenlokal untersage. Vier Filialen sind damit dicht.
Die Probleme bei der 1937 gegründeten Bäckerei fingen 2002 an. Mohr hatte elf Filialen in den Vorkassenbereichen von Rewe und Edeka. Die hätten sich innerhalb von fünf Jahren auf vier reduziert, so Mohr. Dadurch habe sich der Umsatz halbiert.
Hygienische Mängel
Sträter weiß wiederum von wiederholten Ordnungswidrigkeitsanzeigen wegen hygienischer Mängel. Die letzte Anfang November 2011. „Es sind alle Mängel behoben worden“, sagt Mohr.
Seit dem 2. Januar erhalte Mohr Brot und Brötchen von der Bäckerei Frank Feldkamp, so Sträter. Davon seien die Mohr-Verkäuferinnen überrascht worden. Sie wussten nicht, was die neuen Produkte kosten sollten oder welche Inhaltsstoffe sie haben. Auf Nachfragen hätten sie die Auskunft erhalten, dass sie die Ware nach eigenem Ermessen benennen und auszeichnen sollten.
Mohr sagt, es würden Zettel mit den Inhaltsstoffen ausliegen. Dass Feldkamp für ihn produziert, will er nicht bestätigen. „Wie es weitergehen soll, weiß ich nicht“, sagte Thomas Mohr. Seine Mutter Doris zürnt: „Die Kleinen werden wieder kaputt gemacht.“ "






