NGG & Presse
Arbeitende Rentner
Spiegelonline vom 26.10.09 Von Matthias Lauerer
Hunderttausende Rentner arbeiten auch noch im Ruhestand - oft aus reiner Geldnot. Für viele reicht die staatliche Rente nicht zum Leben, mit Mini-Jobs halten sie sich knapp über Wasser. SPIEGEL ONLINE traf Malocher jenseits der 70.
Ernst Möller ist 73 Jahre alt, er wohnt mit seiner Frau Karin in einer Vier-Zimmer-Wohnung im mecklenburgischen Boizenburg. Wenn in seinem Leben alles rund gelaufen wäre, dann bräuchte der Rentner heute keine Arbeit mehr. Doch es lief nicht alles rund.
Nach der Volksschule machte Möller zunächst eine Bergmannslehre, später wechselte er ins Baugewerbe. Ein Besuch in der DDR im Frühjahr 1961 veränderte sein Leben. Der Bruder seiner Freundin überredete die beiden, doch einfach bei ihm im Osten zu bleiben. Möller ging darauf ein, schraubte als Schlosser an Kombinatstraktoren und arbeitete später als Melker. 2000 stand endlich seine Rente an. Doch die reicht bis heute nicht aus: "Ich lebe von 530 Euro im Monat. Ohne meine gute Frau, die in der Woche für 22 Euro Lebensmittel einkauft, wäre ich völlig aufgeschmissen."
Burger King: Betriebsratswahl erfolgreich abgeschlossen
2006 wurde die damalige Betriebsratswahl von der Burger King GmbH mit dem Vorwurf der Wahlmanipulation angefochten; die Betriebsratsmitglieder wurden gekündigt. Vor dem LAG Hamm einigte man sich schließlich auf die Rücknahme der Kündigungen und auf eine Neuwahl.
Bäcker darf weiterarbeiten
taz: Zweite Runde im "Brötchen-Prozess"
Die fristlose Kündigung eines Bäckers wegen eines angeblichen Aufstrich-Diebstahls ist auch in zweiter Instanz abgewiesen worden. Bei dem Belag habe es sich um eine "äußerst geringwertige Sache" gehandelt. VON ANDREAS WYPUTTA
Die Großbäckerei Westermann ist mit ihrem Versuch, einen unliebsamen Betriebsrat durch fristlose Kündigung loszuwerden, auch in zweiter Instanz gescheitert: Der Mittelständler aus der Ruhrgebietsstadt Bergkamen muss seinen Bäcker Benjamin Lassak unbefristet weiterbeschäftigen. Das hat das Landesarbeitsgericht im nordrhein-westfälischen Hamm am Freitag entschieden und damit ein Urteil des Arbeitsgerichts Dortmund vom März bestätigt. Eine Revision ließ das Gericht nicht zu.
Wenig zu tun oder einfach nur engagiert?
WR, Dortmund, 29.06.2009, Dirk Berger
Köche, heißt es, finden immer einen Job. Erstmal aber sind Marc-Andre Walter und Daniel Klatt den ihren los. Die Westfalenhallen GmbH hat beide Köche nach der Beendigung ihrer Berufsausbildung nicht übernommen. Pikant daran: Als Jugend- und Auszubildendenvertreter ist ihnen damit das passiert, wovor sie das Betriebsverfassungsgesetz eigentlich schützt. Nun traf man sich vor dem Arbeitsgericht.
Die Argumentation der Arbeitgeber war von schlichter Schlüssigkeit. Man habe einfach keine Arbeit für die beiden Jungs, zumal man drei Köche aus der Gastronomie des Flughafens übernommen habe. Etwa 50 befristete Verträge mit Arbeitnehmern hätte man auslaufen lassen - es sei eben wenig los.
KHC Westfalenhallen GmbH verweigert Jugendvertretern die Übernahme
Von den Kolleginnen und Kollegen gewählt, von den Bossen gefeuert!
Jugend- und Auszubildendenvertreter sind nach Beendigung des Berufsausbildungsverhältnisses in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis zu übernehmen. Beabsichtigt der Arbeitgeber ein JAV-Mitglied nicht zu übernehmen, so hat er dies 3 Monate vor Beendigung des Berufsausbildungsverhältnisses dem Auszubildenden schriftlich mitzuteilen.
Mit Schreiben vom 08. Mai 2009 teilte die Geschäftsleitung der KHC Westfalenhallen GmbH M.-A. W. (stellvertretender Vorsitzender der 5köpfigen JAV) und D. K. (JAV-Mitglied) schriftlich mit, „..dass wir Sie leider nach Beendigung Ihrer Berufsausbildung nicht in ein Arbeitsverhältnis übernehmen können, da ein freier Arbeitsplatz nicht absehbar ist. Wir hoffen auf Ihr Verständnis.“
Für die gewählten Interessenvertreter kam diese Reaktion völlig überraschend,
Situation Bäckerhandwerk
WR,15.04.2009, Silke Hoock
Rund 2000 Dortmunder arbeiten in Backstuben oder in den Bäckerei-Filialen. Traditionsbetriebe, die sich durch Fusionierung am Markt halten, und Backdiscounter konkurrieren um jeden Kunden.
Dass einige Brot, Brötchen, Baguette billiger als andere anbieten können, hat seinen Grund. „Billig sein geht nur, wenn man spart. Zum Beispiel bei seinen Mitarbeitern.” Das weiß die Gewerkschaft Nahrung Genuss-Gaststätten (NGG) nur zu gut und benennt die schwarzen Schafe der Bäckerzunft.
Die Bäckerei Westermann mit neun Filialen in Dortmund gehört dazu. Gerade hat das Unternehmen eine Niederlage vor dem Arbeitsgericht kassiert.
Jede Krise ist auch eine Chance
Möllenberg: „Jede Krise ist auch eine Chance“, Göttingen – 4. Februar 2009.
Auf einer Konferenz in Göttingen mit mehr als 100 Betriebsräten aus den NGG-Branchen, die ihre betrieblichen und tarifpolitischen Strategien angesichts der Finanzmarktkrise beraten, hat Franz-Josef Möllenberg, Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), am Mittwoch erklärt:
„Diese Finanzmarktkrise, der Casino-Kapitalismus und die Auswirkungen auf die Realwirtschaft müssen politisch-moralisch aufgearbeitet werden. Ein ‚Weiter-So’ kann es nicht geben. Jede Krise ist auch eine Chance – Konsequenzen sind notwendig, damit nicht weiterhin ausschließlich die kurzfristige Rendite im Vordergrund steht, sondern die Menschen, die die Werte erarbeiten.
Arbeitsklima und Tarifrunde
Drohende Rezession darf in Tarifrunde nicht abschrecken
Berlin – 23. Oktober 2008.
Ein schlechtes Zeugnis stellen die Beschäftigten der Ernährungswirtschaft sowie des Hotel- und Gaststättengewerbes ihren Unternehmen aus: bei Arbeitszufriedenheit und Qualifizierungsmöglichkeiten liegt der Index nur bei 56 bzw. 55 von 100 Punkten. Damit attestieren die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kein günstiges Arbeitsklima, führte der NGG-Vorsitzende Franz-Josef Möllenberg aus. Der DGB hatte vor kurzem seinen Index „Gute Arbeit“ vorgestellt, um zu unterstreichen, wie schlecht die Arbeitsbedingungen in Deutschland aussehen. Die NGG hat diese Studie nun für einige ihrer Bereiche zugespitzt.
Vehement verteidigte Möllenberg die aktuellen Tarifforderungen, auch die der IG Metall von acht Prozent: „Die Lohnforderungen haben nichts mit der Finanzkrise zu tun,“ so der NGG-Vorsitzende. Die Zigarettenindustrie sei sehr profitabel, da sei auch eine Lohnforderung von 8,5 Prozent gerechtfertigt. Die Rezession dürfe nicht herbeigeredet werden, die Unternehmer nutzten die Krise, um Forderungen abzuschmettern, so Möllenberg. Der stellvertretende Vorsitzende Claus-Harald Güster bemerkte flankierend, die Beschäftigten dürften nicht zweimal bestraft werden: Als Steuerzahler würden sie zur Kasse gebeten, um die Banken zu stützen und als Arbeitnehmer sollten sie Lohnzurückhaltung üben. Doch es gehe jetzt um Stärkung der Kaufkraft.




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